With a little help from my friends? – 10 Jahre Cinema for Peace
Alljährlich werden auf der Cinema for Peace Gala Filme und Projekte ausgezeichnet, die sich für Humanität, Umwelt und Frieden einsetzen. In diesem Jahr erhält Sean Penn den Ehrenpreis für seine Stiftung J/P HRO in Haiti.
Die Nutznießer des Hollywoodglamours, als Spender getarnte Geldanleger und Image-Aufpolierer kann man schnell von den wahren Idealisten des Abends unterschieden. Schon am roten Teppich erklärt Playboy und Partykönig Rolf Eden der Bild, dass er seit 10 Jahren kommt, weil es die glamouröseste Veranstaltung im ganzen Jahr in ganz Berlin sei. Auch er nennt die Veranstaltung noch immer in einem Atemzug mit der Berlinale, die sich schon seit Jahren ausdrücklich von dem Event distanziert. Festivaldirektor Dieter Kosslick wirft der Veranstaltung vor, sich den Ruf durch die Vortäuschung, Teil der Filmfestspiele zu sein, erschlichen zu haben. Auch unterstellt er dem Veranstalter fehlende Transparenz im Umgang mit den Spendengeldern. Der Begründer der Initiative Cinema for Peace erklärt sich die Vorwürfe mit Neid auf den Erfolg der Gala. Im Gegenzug, lanciert er, dass Dieter Kosslick sich für die gute Sache verweigere, weil er einen Phototermin mit Angela Merkel und Sean Penn für das Charity Projekt J/P Haitian Relief Organization ablehne.
Der streitbare Jaka Bizilj, der sich als einer der weltweit größten Konzertveranstalter einen Namen machte, veranstaltet die Benefizgala in diesem Jahr zum 10. Mal. Alle Jahre wieder schmückt er seine Veranstaltung „Cinema for Peace“ mit öffentlichkeitswirksamen Protagonisten, besonders der Hollywood-Prominenz, im Namen der guten Tat. Dem Begründer der Friedens-Initiative ist die Verpackung wichtig, denn nur die, so glaubt er, ermöglicht eine entsprechende Aufmerksamkeit für die eigentlich im Fokus stehenden humanitären Projekte und gesellschaftskritischen Filme.
Die Viereinhalbstundengala besteht aus Prominenz, Auktionen, Preisverleihungen, zwei Music-Acts und "Romanescosalat an Fichtenpuder“, „Lamm, das sich in einem Petersiliensturm verliert“ und einer „Schokolade, die sich in eine Zuckerrübe verliebt“. Die Verpackung soll verführen und das Geld locker machen.
Doch die Spenden gehen nur mäßig ein. Immer wieder zischt der Veranstalter in den Saal und bittet um Ruhe und Respekt für Redner und die Auktionen. 21 Möglichkeiten - auf einer neben der Bühne hängenden Leinwand angeboten - gibt es, Geld für einen guten Zweck zu investieren. Placido Domingo biete ein Dinner an. Elton John will einen Spender mit zur Oscarverleihung nehmen. Domingos Angebot wird bis 22.30 Uhr für 7.000 Euro ersteigert. Elton John erhält das höchste Gebot des Abends mit 17.500 Euro. Humanitäre Projekte, wie die Genocide Film Library Bosnia erhalten ganze 2.250 Euro. Schnell wird klar, hier spendet niemand gemäß dem Gesetz „Reichtum verflichtet“ einzig für den guten Zweck. Die Gebote sind oft wertvolle Geldanlagen oder Trophäen, die kein wirkliches Opfer verlangen, wie es all diejenigen bringen oder erbrachten, die an diesem Abend ihre humanitären Projekte oder Filme vorstellen. Das Elend der Welt flimmert an diesem Abend unentwegt in gleichbleibend verstörenden Bildern und Geschichten über die Leinwand. Doch im Saal bleibt das Gros gut gelaunt und genießt das Socializing mit Freunden und Bekannten und das erhebende Gefühl für den guten Zweck vom Michelin-Stern-Koch aus der Region beköstigt zu werden und selbstlos Geld für feilgebotene Beutestücke, zu opfern. Ein postmodernes Konzept des Ablasshandels. Die wirklichen Opfer bringen hier andere. Doch ohne das Geld der geladenen Gäste geht es nicht, das weiß hier auch jeder. Also spielt jeder mit. Nur, das Geld sitzt am Valentinsabend nicht so locker, wie erhofft. Enttäuschung beim Veranstalter, der einige Auktionen offen lassen muss, weil niemand mitbietet. Nur 112.088 Euro kommen für die 21 Leinwand-Auktionen zusammen, bei denen zum Teil nicht klar ist, in welche Projekte das Geld endgültig fließen soll.
| Bild: Sabine Brauer Photos |
Der andere Teil der Spenden, der über Live-Auktionen während der Gala generiert wird, fließt in die am Abend ausgezeichnete Sean Penn Stiftung J/R Haitian Relief Organization, für die auch Anna Loos und Jan Josef Liefers als Botschafter wirken. In einer Auktion wird auf eine Rolle im Film „The Song of Names“ - der mit Anthony Hopkins und Dustin Hoffman in Halle an der Saale gedreht werden soll, geboten, in einer anderen auf Portraitaufnahmen mit Fashionfotograf Michel Comte.
Hin und wieder kommt es zu Vewirrungen, weil unerwartet Sponsoren die Bühne betreten und die Auktionen unterbrechen oder weil scheinbar verkehrte Auktionsartikel auf die Bühne getragen werden. Wie viel für Penns Stiftung zusammen kam, wird am Ende nicht mehr bekannt gegeben, nur, dass bereits am Nachmittag ein Opel (einer der Sponsoren des Abends), 15 Computer und Care-Pakete gegen Cholera gespendet wurden.
Hin und wieder kommt es zu Vewirrungen, weil unerwartet Sponsoren die Bühne betreten und die Auktionen unterbrechen oder weil scheinbar verkehrte Auktionsartikel auf die Bühne getragen werden. Wie viel für Penns Stiftung zusammen kam, wird am Ende nicht mehr bekannt gegeben, nur, dass bereits am Nachmittag ein Opel (einer der Sponsoren des Abends), 15 Computer und Care-Pakete gegen Cholera gespendet wurden.
Die Preisverleihungen für den wertvollsten Film und die bedeutendste Dokumentation des Jahres gehen im überfrachteten Abend, der Fülle der eilig vorgestellten Projekte, den Auktionen und den Promi- und Sponsoreninszenierungen fast unter. Natürlich werden die Idealisten beklatscht und für ihren Einsatz gelobt und bejubelt. Es sind bizarre Momente, die zum Teil makaber wirken. Besonders deutlich wird das nach der Dankesrede Frank Piasecki Poulsens, der für seinen Film Blood In The Mobile mit dem Preis für Gerechtigkeit ausgezeichnet wurde. Er spricht sich gegen Gier und für weltweit faire Löhne aus. Doch Opel-Vizepräsident Alain Visser, der nach ihm auf die Bühne kommt und den Preis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit verleihen soll, nutzt seine Gesprächszeit ungeachtet der Vorrede ersteinmal ausgiebig zur Imagepflege Opels und bewirbt die fortschrittlichen Modelle. Der von Opel Project Earth verliehene International Green Film Award verliert sich im Absatz steigernden Product Placement der Spritsparmodelle.
Zum Abschluss beschwören noch einmal ein paar Idealisten das Publikum. Mit dem Joe Cocker Cover With a little help from my friends spielen Silly mit Jan Josef Liefers an der Gitarre und Reamon eine kraftvolle Hymne auf die Solidarität. Sean Penn hatte sich den Titel für den Abend gewünscht. Am Stand der Spendenuhr ändert das allerdings nichts mehr.
Gewinner wertvollster Film
Xavier Beauvois Of Gods and Men
Gewinner wertvollster Film
Xavier Beauvois Of Gods and Men
Gewinner wertvollste Dokumentation
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Lorenz Knauer Jane's Journey

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